Neue Fragen und Antworten

 

Die Große Frage: Was ist Stütze?

Viele Fragen werden über die „Stütze“ gestellt. Ich bin sehr dankbar für diese Fragen, denn sie helfen mir bei dem Bemühen, in meinen Antworten immer klarer werden zu können!

 

Was ist Stütze?

Ich habe schon gesagt (hier auf der Website und in meinem Buch), was eigentlich die „Stütze“ ist, nämlich der Luftdruck direkt unterhalb der Stimmbänder. Wir stützen aber nicht mit dem Hals sondern mit den Bauchmuskeln, die den Kehlkopf indirekt beeinflussen. Atemkontrolle müssen wir lernen, um die Luft richtig dosieren zu können, also nicht zu viel und nicht zu wenig. Das ist wichtig für die richtige Einstellung der Kehlkopfmuskulatur und für das korrekte Vibrieren der Stimmbänder. Es folgt natürlich sofort die Frage:

 

Wie stützt man richtig?

Und hier entsteht, glaube ich viel Konfusion. Ich will deshalb versuchen, die Vorgänge in Stufen darzustellen:

 

Wie stützt man den Ton richtig? Bauch hinein oder heraus? Wo setzt man den Ton beim Singen an? Atmet man in die Flanken, oder im Bauch?

S. F.

Lieber S. F.

„Bauch hinein oder heraus?“ Diese Frage hört man öfters. Ich denke, dass die Frage lauten müsste: Wie fühlt man den Atem, und wie kann ich ihn kontrollieren? Man kann die Flanken beim Atmen fühlen, und man kann auch die Bauchmuskulatur fühlen, wenn man nach innen oder nach außen drückt. Aber, am besten fühlt, aktiviert und kontrolliert man den Atem, wenn man die Bauchmuskulatur für den Atemimpuls und Atemfluss (für Tonentwicklung) nach innen zieht. Bauch hinein funktioniert am besten, auch deshalb, weil es mit dem inalare la voce, dem Konzept vom Einatmen des Tons zusammen arbeitet. Im Buch wird diese Atemfunktion ausführlich auf den Seiten 44-46 erklärt.

Den Ton stützt man, indem man mit der Bauchmuskulatur die richtige Menge Luft (die eigentliche Stütze) unter den Stimmbändern reguliert. Das ist ein Prozess, der eine Koordination der Atemimpulse von unten her erfordert, und oben einen entspannt eingestellten Kehlkopf. Der erste Tonansatz wird auf einer Bauchspannung für die Koordination mit dem Atemimpuls vorbereitet und dieses Zusammenspiel von Atemdosierung wird durch die musikalische Phrase rhythmisch fortgesetzt. Auf diese Weise setzt man den Ton auf dem Atem an. Jeder Versuch, den Ton an eine andere Stelle zu dirigieren oder umzuleiten, ohne auf die Koordination mit dem Atem zu achten, führt zu falschen Ergebnissen.

Viel Glück mit der Diplomarbeit! Ich denke, das Buch „Atemtechnik als Roter Faden“ kann dabei helfen.

 

Kann man beim Singen "zuviel stützen"?

M. T.

Lieber M. T.,

Ihre Frage zielt auf die Kritik, dass eine Stimme "forciert" (gedrückt, gepresst, muskulös, unfrei) klingt. Die Antwort wäre dann natürlich "ja". Aber, die Lösung wäre nicht einfach "weniger stützen", Was Stütze wirklich ist, erkläre ich in den häufig gestellten Fragen und Antworten auf dieser Website. Man muss lernen, welche Muskeln bewusst einzusetzen sind, und den Einsatz der falschen Muskeln bewusst zu verhindern. Die richtige Stütze, und das heißt weder zu viel noch zu wenig, wird durch die Dosierung des Atems kontrolliert.

 

Was kann ich als Anfängerin gegen mein Lampenfieber machen?

S. H.

Liebe S. H.,

Das beste Mittel gegen Lampenfieber, und das gilt für einen Profi-Sänger genau so wie für einen Anfänger, ist die Gesangstechnik. Wenn Sie beim Singen an etwas Bestimmtes denken oder etwas Bestimmtes zu tun haben, sind die Nerven im Kopf und Körper auf das Wesentliche des Singens konzentriert. Da es wichtig ist, das zu üben, sollten Sie sich bemühen, so oft wie möglich vor Publikum zu singen. Organisieren Sie regelmäßiges Klassenvorsingen mit Ihrem Gesanglehrer, bieten Sie ein Solo für einen Gottesdienst oder einen anderen festlichen Anlass an.

 

Was kann ein Sänger tun, wenn er in einer unmöglichen Inszenierung auftreten muss?

K. H.

Lieber K. H.,

Er leidet. Und er fragt sich ob er trotzdem die Rolle so singen kann, dass die Geschichte durch die Musik und Text dem Publikum vermittelt werden kann. Natürlich ist, was "unmöglich" und was "möglich" ist, umstritten, auch unter Sängern. Ziemlich unbestritten aber ist die Tatsache, dass Sänger heutzutage Probleme haben, dass Intendanten, Regisseure und Kritiker oft dem Singen nicht mehr die Priorität geben. Die Mehrzahl der Sänger versucht zuallererst, die Rolle gut zu singen und musikalische zu interpretieren. Dafür, dass die "unmöglichen" Inszenierungen oft trotzdem so erfolgreich sind, dafür zolle ich den Sängern hier ein großes Lob. Aber, die Sänger müssen auch den Mut haben, wenn die künstlerischen Prinzipien der Gesangskunst beeinträchtigt werden, auch einmal "nein" zu sagen.

 

Warum hört man oft einen "Einheitsklang" bei Sängern, der ihre Aussprache negativ beeinflusst?

B. S.-R.

Liebe B. S.-R.,

Nicht nur die Aussprache, auch die musikalische Phrase leidet darunter. Manche Sänger haben sich an einen Klang, den sie als ihre "Stimme" identifizieren, gewöhnt. Mit einem Einheitsvokalraum versuchen sie jeden Ton in jeder Lage zu singen, und bilden sich dabei ein, "legato" zu singen. Sie wären auf dem richtigen Weg, wenn Sie lernen würden, verschiedene Vokale mit der Atemdosierung zu koordinieren. Nur so, werden Sie die nötig die nötige Flexibilität für Text und Musik erlangen.

 

Wie lange darf ich am Tag singen, ohne dass ich meiner Stimme schade?

B. E.

Liebe B. E.,

Natürlich ist die Antwort abhängig von Ihren technischen Fähigkeiten und von dem, was Sie singen. Bill Evans, der berühmter Jazzpianist, sagte einmal: "Es ist besser, ein Stück 24 Stunden zu üben, als 24 Stücke in einer Stunde." Damit will er sagen, dass er wichtig ist, sich auf etwas konzentrieren, um es gut machen zu können. Sänger sollten mit dem Roten Faden der Atemtechnik sich zuerst immer aufwärmen, dann Übungen machen, und dann ein Stück Phrase für Phrase üben. Das kann an manchen Tagen nur eine Stunde sein, an anderen mehrere Stunden (z. B. bei Proben und Aufführungen). Sänger brauchen Pausen in ihrer Übungsroutine, und wichtig ist, dass sie lernen, wann sie eine Pause machen sollten.

 

Viele Leser haben Fragen über das Vorsingen gefragt:

Ich studiere seit vielen Jahren Gesang und möchte jetzt Agenten vorsingen. Mein Lehrer ist aber unsicher, ob ich so weit bin. Wie kann ich ihn überzeugen?

A. S.

Liebe A. S.,

Wenn Sie vorsingen, müssen Sie die Agenten überzeugen. Falls ihr Lehrer meint, dass Sie noch nicht so weit sind, muss er dafür gute Argumente vorbringen können. Es schadet nie, eine (oder mehrere) andere professionelle Meinungen zu hören und in „kleineren“ Vorsingen Erfahrung zu sammeln, bevor Sie zu einem Agenten gehen.

 

Ich weiß nicht recht, was ich bei einem Agenten vorsingen soll. Woran soll ich mich orientieren?

S. O.

Lieber S. O.,

Es ist sinnvoll, als erstes das Stück vorzusingen, das man am besten beherrscht und mit dem man die besten Erfahrungen gemacht hat. Das Stück soll die Stimme, ihren Umfang (vor allem die Höhe) und ihre musikalische Persönlichkeit zeigen. Dabei ist es sinnvoll, etwas aus dem gängigen Opernrepertoire für das jeweilige Stimmfach auszuwählen. Unbekanntes ist bei dieser Gelegenheit nicht so sehr gefragt. Um über das geeignete Repertoire sicher zu sein, ist es sinnvoll, andere Sänger Ihres Fachs oder Lehrer um Rat zu fragen. Beim Vorsingen ist es üblich, dass Sie das erste Stück selbst auswählen können und der Agent das zweite bestimmt. Manchmal bekommt man aber nur die Chance, ein Stück zu singen, das man dann natürlich so gut wie möglich vortragen muss! Besser nicht denken, das erste Stück zum „Aufwärmen“ zu nehmen und die „große Arie“ als zweites!

 

Ich studiere seit drei Jahren Gesang und habe noch nie vor Publikum gesungen. Wann werde ich so weit sein?

J. K. L.

Lieber J. K. L.,

Weil das Singen vor Publikum sehr wichtig für die Ausbildung eines Sängers ist, sollten Lehrer regelmäßig öffentliche Klassenabende veranstalten. Wenn Ihr Lehrer das nicht macht, müssen Sie selber nach Möglichkeiten suchen, ein Solo in einem Gottesdienst anbieten oder ein kleineres Programm für Club- oder Vereinsabende. Sie können dazu vielleicht einen anderen Studierenden als Begleiter finden, mit dem Sie das Programm ausarbeiten.

 

Ich habe oft gehört, das Aussehen sei beim Vorsingen wichtiger als das Singen. Ist das wahr?

P. A.

Liebe P. A.,

Wie ich in meinem Buch ausgeführt habe, ist der Einfluss der Medien heutzutage enorm gestiegen. Auch der Einfluss derer, die eher etwas über die Optik auf der Bühne zu sagen wissen als über das, was sie hören. Mein Buch ist deshalb ein Plädoyer an alle, die mit dem Beruf zu tun haben, sich mehr Wissen über das Singen anzueignen. Natürlich hat ein Bühnenberuf auch etwas mit dem Aussehen zu tun. Aber in der Oper hat immer die Musik und das Singen, und wie dabei und damit die Gefühle und die Geschichte vermittelt werden, die Priorität.